Neue Regeländerung: Mitfahrgelegenheit.de jetzt komplett unattraktiv für Fahrer

Wer im letzten halben Jahr die Ereignisse rund um das führende Portal für Mitfahrgelegenheiten halbwegs verfolgt hat, dürfte den großen Unmut der Benutzergemeinschaft rund um die Einführung des verpflichtenden Buchungssystems mitsamt der dadurch anfallenden Gebühren mitbekommen haben. 11 Prozent muss man nun pro Mitfahrer an die Macher des Portals abführen – was ich davon halte, habe ich ja seinerzeit ausführlich hier im Blog dokumentiert. Alternativplattformen sprossen einige aus dem Boden, doch leider konnte sich (in meinen Augen) noch immer keines der neuen Angebote wirklich gegenüber den anderen profilieren. So ist man als Fahrer weiterhin mehr oder weniger gezwungen, mitfahrgelgenheit.de zu nutzen, wenn man seine Plätze regelmäßig voll besetzt haben möchte.

Wer nun denkt, es ginge nicht mehr schlimmer, hat sich getäuscht. Denn just gestern Nachmittag verschickte der Betreiber, die Carpooling GmbH, einen Sondernewsletter per E-Mail mit dem schönen Betreff „Mitfahren wird einfacher“. Die Betonung auf „Mitfahren“ ist schon gleich ein direkter Hinweis, auf die Politik, die man bei Carpooling in den letzten Monaten betreibt: Man orientiert sich nur noch an den Mitfahrern, nicht mehr an den Fahrern. Das äußert sich in den meisten der jetzt angekündigten Neuerungen: 

Keine Buchungsanfragen mehr, Mitfahrer buchen Fahrten direkt

War das Buchungssystem in den letzten Monaten nicht schon kompliziert genug, wurde das System nun erneut zu Ungunsten der Fahrer umgestellt. Statt Anfragen werden Fahrten nun direkt gebucht. Zwar kann der Fahrer anders als von vielen befürchtet immer noch auswählen, wen er mitnimmt, da die Buchungen weiterhin storniert werden können. Andererseits sind die Plätze auch währenddessen schon als belegt markiert und andere potentielle Mitfahrer suchen sich in der Zwischenzeit eine andere Mitfahrgelegenheit. Vermutlich wollte man einfach das inzwischen übliche Vorgehen vieler Fahrer unterbinden, dass die Details zur Fahrt telefonisch besprochen werden und die Buchungsanfrage anschließend trotzdem abgelehnt wird.

72 Stunden-Frist bei Onlinezahlung entfällt, Mitfahrer können die Fahrt noch kurz vor Abfahrt absagen

Bisher warb Mitfahrgelegenheit.de immer mit der Zahlgarantie bei Onlinezahlung. Bis 72 Stunden vor Fahrtbeginn konnte man dann die Buchung nicht mehr stornieren, die Fahrtkosten wurden trotzdem abgebucht und (nach Abzug der Gebühren) an den Fahrer weiterüberwiesen. Das bot dem Fahrer immer noch eine gewisse Sicherheit, auch bei unzuverlässigen Mitfahrern sein Geld zu bekommen, auch wenn eine 24 Stunden-Frist sicherlich gereicht hätte. Nun wird diese Garantie aber quasi abgeschafft, da Mitfahrer die Buchung auch noch 5 Minuten vorher absagen können und die Onlinezahlung wieder entfällt. Sprich man hat als Fahrer auch nichts mehr davon, auf das direkte Bargeld der Mitfahrer zu verzichten.

Begrenzung auf Strecken unter 100 Kilometer entfällt

Die Begrenzung, dass Fahrten unter 100 Kilometern nicht Buchungssystem-pflichtig sind, fällt nun auch und auch diese Fahrten werden für die Fahrer nun gebührenpflichtig. Also auch bei Fahrten, für die man vielleicht 5 Euro oder weniger erhält, muss man noch mal 11 Prozent Gebühren an Mitfahrgelegenheit.de abführen. Letztlich nur konsequent, aber unkompliziert – gerade bei so kurzen Strecken – ist auch anders.

Für Mitfahrer gibt es eine Fahrtausfall-Versicherung bis 100 Euro

Durchaus eine sinnvolle Einrichtung, wenn ein Mitfahrer von seinem Fahrer im Stich gelassen wird, kann er sich quasi auf Kosten von der Versicherung von Mitfahrgelegenheit.de nach einer anderen Fahrtmöglichkeit umsehen (auch wenn ein Bahnticket ohne BahnCard und Ermäßigungen, die bei kurzfristiger Buchung ja entfallen, z.B. von Berlin nach Düsseldorf bereits deutlich über 100 Euro kostet).

Dennoch richtet sich eine solche „Versicherung“ wieder nur an die Mitfahrer. In meiner Zeit als Nutzer und Anbieter von Mitfahrgelegenheiten kam es bisher nur vor, dass Mitfahrer ohne Absage nicht erschienen sind, aber nie, dass Fahrer nicht erschienen sind. Das soll nicht heißen, dass das nie passieren würde (habe das auch schon mehrfach aus dem Freundeskreis von solchen Fällen gehört), aber dennoch kommt es wohl häufiger vor, dass Mitfahrer nicht erscheinen als Fahrer. Durch die Abschaffung der 72 Stunden-Frist werden die Fahrer quasi gänzlich im Regen stehen gelassen, Mitfahrgelegenheit.de richtet sich anscheinend nur noch an die Mitfahrer. Fragt sich nur, wo die Mitfahrer mitfahren sollen, wenn die Fahrer sich auf diesem Portal nicht mehr „wohlfühlen“ und es daher nicht mehr nutzen?

Die einzigen, die sich wohl über die neuen Regeländerungen, man möchte gar Regelverschärfungen schreiben, freuen dürften, sind die Betreiber der Konkurrenzplattformen. Bei BesserMitfahren.de, Fahrgemeinschaft, BlaBlaCar, Flinc oder MiFaZ läuft dahingehend so vieles besser, ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Mitfahrer diese Portale nutzen würden.

Was haltet ihr von den neuen Regelungen bei mitfahrgelegenheit.de? Nutzt ihr schon die neuen Mitfahr-Plattformen oder bucht/ bietet ihr eure Fahrten (noch) bei mitfahrgelegenheit.de an?

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Mitfahrgelegenheiten » Beitrag » E420-Blog

  2. Pingback: Deutscher Auto Blogger Digest vom 09.11.2013 › "Auto .. geil"

  3. Schöne Zusammenfassung mit richtigem Kerngedanken: Der Mitfahrer gewinnt! Und weil dem Mitfahrer diese ganze Buchungssystem-Abzocke sowieso egal sein kann und er jetzt durch die Neuregelungen nicht wirklich schlechter gestellt ist als in anderen Portalen (durch die Versicherung wohl eher etwas besser), wird sich vermutlich ein großer Pool an Mitfahrern weiter hier tummeln, was wiederum Fahrer in das Netzwerk zwingt, sofern sie ihre Plätze füllen wollen. Cleverer Schachzug von den Betreibern, auf diese Weise mehr Nachfrage zu generieren. Ich würde mir ein starkes Fahrernetzwerk wünschen, das Carpooling für diese Aktion die rote Karte zeigt.

    Als Fahrer hab ich mich beim Anbieter schon darüber ausgebrochen. Bin auf Reaktionen gespannt, rechne aber nicht ernsthaft damit.

    • Nachdem einige Monate ins Land gegangen sind, kann ich Ähnliches berichten wie mein Vorredner. Blablacar setzt sich als Alternative durch. Noch annonciere ich dort lediglich parallel zu mfg (allerdings bewusst mit günstigeren Preisen, da gebührenfrei), allerdings komme ich tendenziell auch ohne mfg-Annoncen aus.

  4. Hallo Zusammen,

    mein letztes Inserat auf Mitfahrgelegenheit war im Jun 13. Ich kann ebenfalls bestätigen, dass ich die meisten Mitfahrer auf der Strecke Hamburg-Stuttgart über blablacar gewinne. Aber auch dieses Portal wird bald kostenpflichtig. In Frankreich ist dies bereits schon der Fall.
    Langfristig steht auch hier die Suche nach Alternativen noch aus.

    Die Anwesenheit der Fahrer ist für die Aktivität in Portalen entscheidend. Würden mehr und mehr Fahrer konsequent außerhalb von Mitfahrgelegenheit inserieren, würden auch die Mitfahrer wechseln.
    Scheinbar ist der Kostendruck und auch die Gewohnheit bei den Fahrern so hoch und ausgeprägt, dass Mitfahrgelegenheit alles durchboxen kann.
    Das Umgehen des Buchungssystem auf Mitfahrgelegenheit schadet einem auf dauer nur selbst -meine Meinung! Denn die eigene Fahrt lockt erst die Mitfahrer auf dieses Portal. Die Betreiber haben genügend Ausdauer weitere Lücken im System zu schließen. Bei fehlenden Fahrten hingegen ist jedes tolle Buchungssystem sinnlos.

    Mein Tipp als Fahrer:
    Möglichst breit das Inserat streuen. Eine Vorlage ist schnell mit Copy-Paste überall eingepflegt. Auch dauerhafte Gesuche sind empfehlenswert, um aktive Mitfahrer auf der eigenen Strecke zu finden und den Kontakt dauerhaft zu pflegen.
    Nicht zu unterschätzen ist der Kontakt zu anderen Fahrern. Auch hier können wertvolle Erfahrungen und Informationen (Preise, Termine, schwarze Schafe) ausgetauscht werden.

    In diesem Sinne, stehe ich für neue Kontakte gern zur Verfügung!

    Beste Grüße aus Hamburg!
    Daniel

  5. Blablacar ignoriere ich (wg. der Kostenpflichtigkeit in Frankreich, die sicher auch bald nach Deutschland überschwappen wird).

    Ich nutze parallel flinc.org, fahrgemeinschaft.de, drive2day.de (alias mitfahren.de) und bessermitfahren.de.
    Über die letztgenannten beiden Portale kommt der Großteil meiner Mitfahrer.

  6. Mitfahrgelegenheit.de steht meiner Meinung nach vor dem Aus. Ich habe eben noch eine Fahrt von Aachen nach München gebucht.
    Abfahrtsort? Keine Angabe. Erreichbar? Nö. Rückmeldung? Kommt nix.

    Die Fahrtausfallgarantie (100€) als Mitfahrer wurde durch die schwammige Aussage „Wir helfen Dir, Dein Ziel ohne erhebliche Mehrkosten zu erreichen“ (sinngemäß) ersetzt.

    Die App stürzt seit Monaten ab, was ganz schlecht für einen Anbieter ist, der sich mit dem Thema Mobilität befasst.

    Stimmt es, dass blablacar mit im Boot ist? Der unzuverlässigste Anbieter weit und breit?
    Scheint so.

    Alternativen wie flinc.de und Kollegen sind noch zu unbekannt, da finde ich nicht mal eine Fahrt im Umkreis von 100km.

    Alex, Aachen

  7. Also ich war bisher auf Blablacar und wollte zu Mitfahrgelegenheiten wechseln, weil es mir gelinde gesagt tierisch auf die nerven geht ständig auf Leute warten zu müssen, die einfach nicht kommen ohne vorher mal abzusagen.

    Besonders ärgerlich, wenn man eigentlich noch andere Anfragen hatte.

    Tja aber das hat sich scheinbar erledigt.

    Ich denke ich werde in Zukunft wieder alleine fahren… den für das bisschen Spritgeld muss ich mir nicht jedes Mal den Stress mit Mitfahrern machen die Zu- und Ab- und dann doch wieder Zusagen oder erst gar nicht kommen.