Bilstein Fahrwerkstest auf dem ATP Testgelände Papenburg

Bilstein, genau, der Fahrwerkshersteller, hat vor kurzem einige Blogger eingeladen, seine Produkte live zu testen. Das aber nicht irgendwo auf einer Landstraße, womöglich unter Gefährdung der eigenen Gesundheit oder gar Anderer, sondern auf dem ATP Testgelände in Papenburg. Dort also, wo sonst Reifenhersteller, Automobilkonzerne oder eben Fahrwerksentwickler wie Bilstein ihre noch unveröffentlichten Neuentwicklungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit testen können. Mehr als 80 Kilometer Straße wurden vor 18 Jahren in die norddeutsche Moorlandschaft gepflanzt, vom simulierten Stadtverkehr über eine originalgetreue Nachbildung des alten Hockenheimrings bis hin zu einem vierspurigen Hochgeschwindigkeitsoval mit original Autobahnbeschilderung und Steilkurve findet man jegliche Straßenform und -art, die sich das Autofahrerherz nur vorstellen kann. Interessanterweise machen die Betreiber des Testgeländes genau das, was man bei vielen Kommunen insgeheim vermutet: Sie geben jedes Jahr eine Menge Geld dafür aus, dass die Straßen im gleich schlechten Zustand bleiben. Jeder Asphaltriss und jede Bodenwelle ist genau dort, wo sie sein soll. Auch die Reibwerte der Straßen werden künstlich immer auf dem gleichen Niveau gehalten – klar, sonst könnte man etwa bei Reifentests keine vergleichbaren Testwerte erreichen.

ATP Testgelaende Papenburg iPad Maps

Aber natürlich war das durchaus spannende Testgelände, bei dem wir jegliches fotografier-fähige Gerät am Eingang abgeben mussten – zu groß war dem Sicherheitspersonal wohl das Risiko um die herumfahrenden Prototypen eines schwäbischen Herstellers, deren Veröffentlichungsdaten teilweise noch in den Sternen stehen – nicht das eigentliche Ziel des frühmorgendlichen Trips in das nebelige Papenburg. Vier abgesehen vom Fahrwerk baugleiche Mercedes-Benz C300 standen bereit, uns die Unterschiede der verschiedenen Dämpfer zu demonstrieren. Auf dem bereits erwähnten Hockenheim-Klon ging es also daran, die Autos möglichst schnell und auf der Ideallinie um die Kurven zu scheuchen, um die Grenzen auszuloten.

Mercedes-Benz C300 Bilstein Test Papenburg

Nun kann ich unumwunden zugeben, dass ich abgesehen von der subjektiven Einschätzung der Härte des Dämpfer keine wirklichen Fach-Kenntnisse zur Bewertung der Fahrwerkseigenschaften besitze – im Alltagsverkehr bringt man sein Auto (zum Glück?) einfach zu wenig in die Situationen, in denen man das Fahrwerk wirklich spüren kann, geschweigedenn fehlen natürlich auf die Vergleichsmöglichkeiten. Umso eindrücklicher waren nun die Erlebnisse auf dem Rennkurs. Dass man den Unterschied zwischen einem Serien- und einem Sport-Fahrwerk in der Härte spürt, war mir natürlich vorher auch bewusst. Dass es allerdings einen solchen Einfluss auf fahrbare Kurvengeschwindigkeiten und die Spurstabilität des Autos hat, hat mich tatsächlich sehr beeindruckt. Während man mit dem „Einstiegs-Sportfahrwerk“ Bilstein B6 auch noch bei (für die Beifahrer) grenzwertigen Geschwindigkeiten genau durch die Kurve kommt, wurde im Vergleich die C-Klasse mit Serienfahrwerk wesentich unruhiger, die Lenkung schwammig und das Kiesbett kam mehr oder minder unkontrolliert näher. Noch gravierender waren dann natürlich die Unterschiede zum Bilstein B12 Pro-Kit oder gar dem Bilstein B16, welche dann die höheren Stufen repräsentieren und noch mehr sportliches Fahren ermöglichen.

Als hätte das Ausloten der Grenzen von Geschwindigkeit im Zusammenspiel mit der Fahrstabilität in den verschiedenen Kurvenkombinationen noch nicht genug Spaß gemacht, fing es während der Mittagspause auch noch an zu regnen. Nach anfänglicher Skepsis, wagten sich bald die ersten wieder auf die Strecke und probierten erneut die Haftbarkeit der Reifen bis zum Äußersten aus – und darüber hinaus. Nachdem es bei den meisten anfangs noch einigermaßen um schnelles Fahren und das Suchen und Finden der Ideallinie ging, zählte nun nur noch das gezielte Querstellen in den Kurven, um nach ein paar Runden beim Fahrerwechsel von den anerkennend nickenden und grinsenden Kollegen zurückempfangen zu werden.

Bilstein Fahrwerks Test ATP Papenburg Drift

Ganz konkret konnte man die Unterschiede zwischen den Fahrwerken dann auch nach dem Aussteigen betrachten. Auf dem knapp 3 Kilometer langen Rundkurs wurden weder Fahrzeug noch Reifen geschont – das Driften tat schließlich sein Übriges. Während die Mercedes mit Sportfahrwerk jedoch höchstens durch deutlich reduzierte Profiltiefe auffielen, sahen die Pneus der C-Klasse mit Serienfahrwerk aus, als hätte sich ein Psychopat mit einem Messer an der Gummi-Außenhaut vergriffen. Tiefe Einschnitte und andere unschöne Veränderungen im Profil zeugten davon, wie sehr die Reifen durch die Querdynamik bei einem weichen Fahrwerk seitwärts abrollen und dementsprechend verschlissen werden. Regelmäßigen Rennstreckenbesuchern sei also allein aus diesem Grund bereits ein Sportfahrwerk empfohlen… um den Reifenverbrauch etwas zu minimieren. 😉

Vielen Dank auch an dieser Stelle noch mal an das Team von Bilstein für die Einladung und das tolle Programm. Auf der Heimfahrt hatte ich, trotz nur drei Stunden Schlaf in der vorherigen Nacht, durchgehend noch ein Grinsen im Gesicht. Ich glaube, das ist das beste Anzeichen, dass es wirklich eine gelungene Veranstaltung war. :)

Die Berichte der anderen Blogger, die vor Ort waren: Fabian & Larissa von Autophorie, Markus vom Mercedes Benz Passion Blog, Bjoern von Mein Auto Blog, Tom von 1300ccm, Thomas von Autogefühl, Mikail von NewCarz

Bilstein hat die Reisekosten nach Papenburg übernommen. Das hat meine Meinung und meinen Artikel selbstverständlich nicht beeinflusst.