Blick hinter die Kulissen: Wie der Stau ins TomTom kommt

Egal ob ich bekannte oder unbekannte Strecken mit dem Auto fahre, das Navi läuft eigentlich immer mit. Nicht, weil ich mir die Strecken nicht merken könnte, sondern weil ich unmittelbaren Zugriff auf aktuelle Stau- und Verkehrsdaten bekommen möchte. Denn die Informationen aus dem Radio taugen mir meist nichts, sind sie doch meistens schon veraltet, wenn der Moderator sie vorliest. Doch woher kommen eigentlich die Verkehrsinformationen, die das Navigationsgerät anzeigt? TomTom hat mich und ein paar andere Blogger vor kurzem nach Berlin eingeladen, und gewährte uns einige Einblicke in das Herz von TomTom Traffic.

TomTom-Navi-Verkehrsmeldung

Die Traffic-Abteilung ist sowas wie das heimliche Schmuckstück der niederländischen Firma. Dass allerdings vor dem Eingang bewaffnetes Sicherheitspersonal steht, hat nichts mit der Brisanz der entwickelten Anwendung oder der Daten zu tun, sondern mit dem Sitz einer Bundesbehörde im übrigen Teil des Gebäudes. Dennoch wird auch der Zugang in die Büroräume von TomTom nur nach den Authentifizierung mit einem elektronischen Schlüssel-Chip gewährt – unbefugten Eintritt möchte man natürlich trotzdem nicht. Denn stolz sind sie schon bei Tomtom, die besten Verkehrsdaten der Branche liefern zu können.

Gewonnen werden die Daten über die verschiedensten Wege, logischerweise vor allem über die TomTom-Navis. Das können sowohl die in Autos – z.B. in Renault-Modellen – fest-verbauten Einheiten sein (Fleet GPS probes), Livedaten von Navis mit Internetverbindung wie Smartphone-Apps oder das neue TomTom GO 500 (ein Testbericht dazu folgt in Kürze) oder auch Standortinformationen von Smartphones im Allgemeinen (GPS probes), aber auch sog. historische Daten sein, die übertragen werden, wenn Nutzer ihr Navi an den Computer anschließen, um Software- und Karten-Updates zu installieren. 80 Prozent der Nutzer bestätigen die Übertragung der Informationen über die mit dem Navi zurückgelegten Strecken. Darüber hinaus hat TomTom auch einen Vertrag mit Vodafone geschlossen, die Nutzungsdaten ihrer Mobilfunktürme zur Verfügung stellen (GSM probes). Knappe 80 Millionen Vodafone-Handys liefern per Triangulation ebenfalls Daten zum Verkehrsfluss. Und nicht zu vergessen, die Daten von Polizei, ADAC und Autobahnmeistereien, über die vor allem Informationen zu einer Stau-Ursache geliefert werden können (Journalistic Data).

TomTom Traffic HD Datenquellen

Man sieht also schon, dass TomTom eigentlich über eine Menge Daten verfügen könnte, um die Bewegung eines jeden einzelnen zu verfolgen. Eigentlich. Denn schon bei der Übertragung die Daten so „zerhackt“, dass keine Zurückverfolgung auf die Route selbst möglich ist. Sieht man sich die einzelnen Informationen von den TomTom-Servern an, ließe sich lediglich sagen, dass etwa morgens eine große Welle an Fahrzeugen in die Stadt hereinrollt und abends wieder heraus. Das Anonymisierungs-Verfahren wurde übrigens auch vom Bundesdatenschutzbeauftragten überprüft und erhielt dessen Freigabe – anders als etwa Google (aber wen überrascht das schon).

Noch interessanter als die Datenerhebung und -erfassung ist aber die Auswertung. Jeder Datenpunkt übermittelt seine aktuelle Geschwindigkeit, die mit dem sogenannten „Nachtfreifluss“ verglichen wird. Das ist die mittlere Geschwindigkeit, die nachts auf dem betreffenden Autobahnteilstück gefahren werden könnte (Raser werden automatisch rausgefiltert). Ist also die aktuelle Geschwindigkeit signifikant niedriger als der Nachtfluss, wird die Verkehrslage genauer untersucht, natürlich ebenfalls vollautomatisch von den Algorithmen) und so Verkehrsbeinträchtigungen oder Staus erkannt. Übrigens sind die Daten so genau, dass sie teilweise auch schon in Städten schon für die Ampelschaltung genutzt werden.

Alle 30 Sekunden wird so für ganz Deutschland eine neue Verkehrslage berechnet und über acht Terabyte Daten werden jeden Tag auf den TomTom-Servern bewegt. Etwa alle zwei Minuten wird die neue Verkehrslage dann auf die Navigationsgeräte übertragen. Wer jetzt beunruhigt auf die limitierten Daten seines Mobilfunkvertrags schaut, darf aber beruhigt sein: Für den durchschnittlichen Nutzer, der fünf Mal die Woche etwa 30 km mit seinem Auto fährt, fallen nur knapp 5 MB übertragene Daten an.

Mit mir in Berlin waren Oli von Der Auto Blogger und Milos von Trendlupe.

Zum Schluss mal eine kleine Frage von mir: Nutzt ihr regelmäßig euer Navi für Verkehrsinfos? Und welche Marke/ welches Modell?

Grafik: TomTom