Das erste Mal – im Hybrid

Das Schöne am Autoblogger-Dasein ist ja vor allem, dass man immer wieder viele neue Dinge erleben darf. Ob das jetzt einfach neue Fahrzeuge, neue Länder und Städte bei Fahrveranstaltungen oder neue Techniken sind, es macht einfach sehr viel Spaß. Mit meinem aktuellen Testwagen, dem Toyota Auris, habe ich die Freude, zum ersten Mal richtig ein Fahrzeug mit Hybrid-Motor fahren zu dürfen. „Richtig“ schreibe ich, weil ich schon mal mit Stefan von Autophorie zusammen im Infiniti M35h gefahren bin, doch das war nur eine eher kurze Spritztour.

Auris-Hybrid

Den Toyota Auris Hybrid hatte ich nun zwei Wochen zum Testen da. Toyota könnte man beinahe als Vater der Hybrid-Modelle bezeichnen, war doch der Prius damals eines der ersten Serien-Modelle, die mit einem zusätzlichen Elektromotor ausgestattet wurden. Inzwischen hat sich die Technik natürlich wesentlich weiterentwickelt, immer mehr Hersteller (ja, sogar auch die Deutschen) bieten mittlerweile auch Hybrid-Modelle an und auch bei Toyota kann man nahezu jedes Modell der Fahrzeugpalette mit Stromantrieb bestellen. Vom, unterhalb des Auris positionierten, Toyota Yaris wird sogar inzwischen jedes zweite Modell als Vollhybrid verkauft.

Wie fährt sich nun so ein Hybrid? Grundsätzlich wie jedes andere Auto mit Automatik auch. Beim Starten des Motors wird man beim ersten Mal jedoch ein wenig überrascht sein, denn man hört… nichts. Zunächst schaltet das Auto in den EV-Mode und so kann man auch die ersten Meter geräuschlos zurücklegen. Drückt man das Gaspedal jedoch zu stark, kommt dann bald der Benzinmotor zu Hilfe, denn ab einer gewissen Beschleunigung oder der Maximal-Geschwindigkeit (beim Auris 50 km/h) kann der Elektromotor nicht mehr alleine arbeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass man nicht auch bei höheren Geschwindigkeiten im EV-Mode „segeln“ kann. Denn bei gleichmäßiger Fahrweise ohne zu große Belastungen kann ebenfalls der Benzinmotor ab- und der Elektromotor zugeschaltet werden.

Apropos lautlos: Bei vielen Elektrofahrzeugen werden inzwischen Lautsprecher installiert, die bis ca. 50 km/h Motorgeräusche simulieren (danach werden die Abrollgeräusche laut genug), damit niemand das Fahrzeug überhört. Gerade bei Blinden und vor allem unaufmerksamen Menschen unter Umständen ein lebenswichtiges Feature. Tatsächlich ist es mir mehrfach passiert, dass Fußgänger nicht von der Straße gegangen sind, wenn ich von hinten „angerollt“ kam – ob das vielleicht auch an ihrer Ignoranz lag, lässt sich schwer beurteilen. Jedoch ist mir das mit anderen Autos noch nie so stark aufgefallen.

Auris-EV-Mode

Macht sich die Hybrid-Technik auch beim Benzin-Verbrauch bemerkbar? Mit Sicherheit. Allerdings nicht so stark, wie ich es mir erhofft hatte. Auf der Autobahn verbrauchte der Toyota Auris ca. 5,7 Liter auf 100 Kilometer (bei einer Reisegeschwindigkeit von 140 km/h). Das ist zwar nicht viel, aber vom angegebenen Normverbrauch von 3,7 Litern ziemlich weit entfernt. Im Stadtverkehr hingegen ist es ganz unterschiedlich: Kommt man von einer längeren Fahrt und hat die Batterie unterwegs aufgeladen, ist es bei wenig Verkehr ohne weiteres Möglich hauptsächlich im Elektro-Modus zu fahren und den Verbrauch auf knapp über 2 l/ 100 km zu drücken. Im normalen Stadtverkehr morgens und abends zur Arbeit wird das jedoch schon schwieriger, und der Verbrauch bleibt in der Regel über der Sechs-Liter-Grenze. Aber auch das ist immer noch weniger, als man mit einem vergleichbar motorisierten Kompakt-Fahrzeug ohne zuschaltbaren Elektromotor erreichen kann.

Für Toyota hat die große Hybridflotte übrigens noch einen ganzen anderen Vorteil: Die gerade erst ausgegebenen Ziele für CO2-Emissionen bis 2020 können schon heute mit der Toyota- und Lexus-Hybrid-Flotte erreicht werden, er liegt aktuell bei 91 g/km. Und bis Mai haben die Japaner schon genauso viele Hybrid-Fahrzeuge wie im kompletten Jahr 2012 verkaufen können – obwohl man als Kunde doch etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Knapp 23.000 Euro werden als Einstiegspreis für das Hybridmodell des Toyota Auris fällig. Es muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, ob er den Aufpreis bezahlen möchte. Doch gerade im Stadtverkehr spart die Technik sicherlich den ein oder anderen Liter Benzin und trotzdem kann man auf der Autobahn durchaus auch etwas flotter unterwegs sein.