Fahrbericht Audi A3 Limousine (mit Video)

Jede Nische braucht ihr Auto. Egal ob Mercedes CLS oder BMW 5er GT, bevor sie auf den Markt kamen, wusste man eigentlich nicht wirklich, was man verpasst. Dachten sich wohl auch die Strategen und Designer bei Audi und haben aus dem im letzten Herbst komplett neu aufgelegten A3, der als Golf-Bruder schon immer nur mit Fließheck zu haben war, eine Stufenheck-Limousine gemacht. Nachdem ich ihn vor einigen Monaten zumindest schon mal ansehen durfte, konnte ich nun mit diesem jüngsten Spross aus den Audi-Werken erste Erfahrungen auf der Straße sammeln.

Fahrbericht zur Audi A3 Limousine bei fahrrückt

Dank des ja generell bei Audi recht stark ausgeprägten, einheitlichen Familiendesigns ist die Audi A3 Limousine auf den ersten Blick nur schwer vom großen Bruder, dem A4, zu unterscheiden. Schaut man jedoch genauer hin, fallen natürlich durchaus Unterschiede auf: die kurzen Überhänge, das Coupé-artig abfallende Dach mit dem kleinen Bürzel auf dem Kofferraumdeckel und die sich wesentlich unterscheidenden Leuchtelemente sind die charakteristischsten Merkmale, mit denen man die Geschwister voneinander trennen kann. Apropos Coupé-artige Form: Blickt man an der sportlich gestalteten Seitenlinie entlang auf die weit ausgestellten Radkästen, muss man doch unweigerlich an das BMW 1er M Coupé denken. So stämmig und breit er von außen wirkt, ist er dennoch kein Schlachtschiff: Etwas weniger als 4,50 Meter lang und 1,8 Meter breit ist die A3 Limousine und damit nur 20 Zentimeter länger als der Sportback, die Breite bleibt sogar nahezu gleich.

Audi-A3-Limousine-weiss-Heck-Stadtverkehr

Im Innenraum gibt es dagegen nur wenig Veränderungen im Vergleich zu den Fließheck-Modellen, lediglich die Hutablage kommt neu hinzu. Ansonsten ist das Cockpit gewohnt ansprechend: Die runden Lüftungsdüsen, mit deren verchromtem Rand sich die Luftzufuhr regeln lässt, das abgeflachte Lenkrad (im S-Line-Ausstattungspaket) und die Zierleisten aus gebürstetem Aluminium im Kontrast zum ansonsten komplett schwarz ausgekleideten Innenraum lassen es sportlich-elegant im Innenraum aussehen. Gut gefallen haben mir auch die Schalter am Lenkstock und Tasten der Mittelkonsole (die dank des MMI ziemlich reduziert werden konnten). Insbesondere die Blinker- und Scheibenwischerhebel hinterm Lenkrad passten sich gut dem Finger beim Bedienen an. Leider weniger gut finde ich den gesonderten Schalter für den Tempomaten, der noch mal unterhalb des Blinkerhebels angeordnet ist. Gerade in Kurven ist er eher schwierig erreichbar und war zumindest für meine Hände nicht wirklich ergonomisch bedienbar. Zwar ist mir bewusst, dass gerade in Verbindung mit dem Abstandssensor nicht alles in den Blinkerhebel (wie z.B. beim Golf 6) gepackt werden kann, aber in das Multifunktionslenkrad hätte man es meiner Meinung nach ruhig trotzdem integrieren dürfen.

Audi-A3-Limousine-weiss-Front-Stadtverkehr

Trotzdem möchte ich die «adaptive cruise control» loben, also den Tempomaten mit Abstandsregelanlage. Auf der Route, die Audi uns zum Testen des Autos nahegelegt hat, waren auch einige Autobahnstücke und gerade wenn man ein wenig abgelenkt ist, etwa weil man sich mit dem Beifahrer unterhält, diverse Funktionen im Auto ausprobieren oder gar ein Video drehen muss, ist diese Erweiterung wirklich Gold wert und ich kann sie nur jedem ans Herz legen. Ist man jedoch einen herkömmlichen Tempomaten gewöhnt, muss man sein Fahrverhalten ein wenig anpassen und etwas früher zum Überholen ansetzen, um nicht ständig ausgebremst zu werden. 😉

Audi-A3-Limousine-Interior-Cockpit-MMi

Schon erwähnt hatte ich ja auch das MMI (MultiMedia Interface), das inzwischen wesentlich mehr beinhaltet, als nur die Musiksteuerung und vielleicht das Navigations-System. Gerade mit Audi Connect lassen sich sehr viele Sonder-Inhalte auf das ausfahrbare Display im Auto transportieren, nicht nur die inzwischen nahezu schon Standard gewordene Facebook- und Twitter-Integration, sondern auch die Benzinpreise der nächstgelegenen Tankstellen oder man kann über einen WLAN-Hotspot den Fahrzeug-Insassen den Weg ins Internet eröffnen. Einstellungen für Fahrdynamik-Modi und Telefon über Bluetooth sind ebenso möglich und die Verbindung mit einem iPhone 5 und Spotify bereitete uns keine Probleme.

Audi-A3-Limousine-Misanorot-Seitenlinie

Wenn ich in ein neues Fahrzeug einsteige und es testen darf, bewerte ich es natürlich auch immer nach meinen eigenen Anforderungen: Ich fahre viele lange Strecken, daher sollte der Verbrauch möglichst gering sein und für die Mitfahrgelegenheiten sollten 4 Erwachsene und deren Gepäck ausreichend Platz finden. Platz für normales Reisegepäck über’s Wochenende ist im Kofferraum auf jeden Fall, für die Mitfahrer auf der Rücksitzbank könnte es mit der Kopffreiheit allerdings ein wenig eng werden. Durch die nach hinten abfallende Seitenlinie konnte ich mich mit meinen 1,87 Metern Körpergröße auf den Fond-Sitzen nicht aufrecht hinsetzen, ohne mit dem Kopf an den Dachhimmel zu stoßen. Vor allem guckt man auf Augenhöhe immer gegen die obere Fensterkante, was einen eingeengten Eindruck entstehen lässt – obwohl man ansonsten eigentlich ausreichend Platz hat.

Audi-A3-Limousine-Kofferraum-Volumen

Während der Testfahrten konnte ich zwei der drei zum Start verfügbaren Motorisierungen fahren: den 1.8 TFSI (180 PS) und den 2.0 TDI quattro (150 PS); daneben wird zum Start auch noch ein 1.4 TFSI mit 140 PS und cylinder on demand-Technik angeboten. Natürlich fahren sich alle Motoren gut, aber wer wirklich Spaß mit seinem Audi A3 haben möchte, sollte zum 1.8 TFSI greifen. Der große Benziner wirkte wesentlich spritziger als der Diesel, trotz 320 zu 250 Nm maximalem Drehmoment machen sich die 30 PS eben doch bemerkbar. Das lässt sich natürlich auch in Zahlen belegen: 7,3 Sekunden braucht der Audi mit dem 1.8 TFSI zum Sprint von 0 auf 100, 8,7 Sekunden dagegen in der Diesel-Motorisierung. Wer wie ich viel Autobahn fährt, wird vermutlich allein aus okönomischen Gründen trotzdem zum Diesel greifen, mit dem man ebenso Spaß haben kann – wenn ich hier weniger „Spritzigkeit“ bemängele, ist das natürlich quengeln auf hohem Niveau!

Das Video zur Audi A3 Limousine

Fazit zur Audi A3 Limousine

Über Geschmack kann man nicht streiten – nirgendwo sonst ist dieses Bonmot treffender als in der Automobil-Branche. Der eine mag lieber Fließheck-Modelle, der andere steht eben mehr auf Stufenheck. Obwohl Audi sich darüber im Klaren ist, dass in Deutschland Hatchbacks (also Fließheck) wesentlich mehr Käufer finden, versuchen sie natürlich durch die Limousine noch mehr Käuferschichten zu erreichen. Vielleicht wird die A3 Limousine auch zum neuen Kassenschlager was Einstiegs-Firmenwagen angeht? Ich würde ihn so auf jeden Fall nehmen. 😉

Man kann die aktuelle Formsprache von Audi mögen oder nicht. Der Großteil des Feedbacks, das ich zur A3 Limousine gehört habe, war definitiv positiv, auch wenn es vereinzelte negative Stimmen gab. Aber auch mich spricht die Audi A3 Limousine sehr an, Langstrecken-tauglich ist sie definitiv und bei der von uns gefahrenen Ausstattung bleiben auch keine Wünsche mehr offen. Jedem empfehlen würde ich das S-Line Exterieurpaket, das gibt dem A3 eine schöne sportliche Note. Ich persönlich bin sehr gespannt, wie die neue Limousine im deutschen Markt aufgenommen wird, wenn sie im Spätsommer bei den Händlern steht.

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Was die anderen Blogger zur Audi A3 Limousine sagen