Bosch Fahrerassistenzsysteme: Die nützlichen Helfer der Zukunft schon heute

Obwohl die Autos hierzulande immer sicherer werden, steigen weltweit leider dennoch die Unfallzahlen und die Anzahl der Todesopfer durch Verkehrsunfälle weiter an. Ausschlaggebend sind die vielen Schwellenländer, in denen das Verkehrsaufkommen massiv zugenommen hat, aber die meisten Autos eher „alt und klapprig“ sind. Dort wie hier gilt aber natürlich, – auch wenn es nach einer abgedroschenen Phrase klingt – dass jeder Tote einer zu viel ist.

Notbremsassistent mit Fußgängerschutz

Viele dieser Unfälle ließen sich vermutlich verhindern oder zumindest in den Folgen abschwächen, wenn die Autos mit Fahrerassistenz-Systemen ausgestattet wären. Ich hatte neulich schon mal erwähnt, dass der neue Golf mit einer ganzen Armada an diesen Systemen ausgestattet werden kann. Damit ist er einer der Vorreiter im niedrigeren Preissegment. Eines der Unternehmen, die federführend an solchen Fahrerassistenz-Systemen forschen und entwickeln und auch an so gut wie alle Automobilhersteller liefert ist BOSCH. In der vergangenen Woche durfte ich an einem Workshop teilnehmen, bei dem uns diese Systeme vorgeführt und ein Ausblick gegeben wurde, was uns in den kommenden Jahren in diesem Bereich erwarten wird.

Angefangen hat die Entwicklung damals mit der Erfindung von ABS, ASR und in den späten 90ern dann ESP, das vor allem durch den missglückten Elch-Test der A-Klasse einen enormen Boom verspürte. Bei der Marktdurchsetzung kommt es nämlich viel auf den Endkunden an: Sie müssen meistens eine konkrete Verbesserung darin sehen, damit die Bereitschaft gegeben ist, für solch ein System extra zu bezahlen. Anders verhält es sich etwa mit dem ACC (Automatic Cruise Control = Tempomat mit Distanzhaltung). Obwohl der ACC gerade im täglichen Berufsverkehr schon eine große Erleichterung für viele Autofahrer sein könnte, setzt er sich bisher höchstens bei Vielfahrern durch.

Der Baustellenassistent hält das Auto in Engstellen in der Spur.

Eine andere Fahrerhilfe, die ich persönlich noch sinnvoller finde, ist der so genannte Baustellen-Assistent. Stellt euch folgende Situation vor: Ihr fahrt in einer engen Baustelle, links die Beton-Leitplanke, rechts der 40-Tonner. Plötzlich fängt der LKW ein wenig an zu pendeln und ihr verzieht vor Schreck das Lenkrad. Ohne Baustellen-Assistent dürfte euer Kotflügel wohl ein bisschen leiden, mit Baustellen-Assistent erkennt das Auto, dass ihr einem Hindernis zu nahe kommt und lenkt mit einem Widerstand von 3 Nm dagegen. Theoretisch könnte man sogar die Hände vom Lenkrad nehmen – sollte man natürlich nicht. 🙂 Durchaus ein merkwürdiges Gefühl wenn plötzlich das Lenkrad ein „Eigenleben“ entwickelt, aber er könnte so manche brenzlige Situation in Baustellen wohl entschärfen.

Eine weitere tolle Entwicklung ist der sogenannte Notbremsassistent. Diesen gibt es ja schon heute: aus 30 km/h wird man zum Stand abgebremst, wenn man auf ein Hindernis zufährt. Fährt man schneller als 30 km/h wird man um 30 km/h abgebremst, um zumindest die Unfallfolgen abzumildern. Bosch entwickelt diesen jedoch noch in weitere Richtungen. Etwa zum Fußgängerschutz, wenn das Auto nicht mehr rechtzeitig zum Stillstand käme, lenkt es automatisch am Fußgänger vorbei. Oder als Parkmanöverassistent mit Flankenschutz: Bisher warnt das Auto hauptsächlich vor Hindernissen im Front- oder Heckbereich. Durch die Umfeldaufnahme können jedoch auch Hindernisse erkannt werden, mit denen ihr euer Auto an der Seite beschädigen würdet. In letzter Konsequenz würde das Auto sogar bis zum Stillstand abgebremst werden.

Wieso der Notbremsassistent nur bis 30 km/h funktioniert? Die Begrenzungen sind dabei nicht etwa technischer, sondern rechtliche Art: Der „Computer“ darf erst eingreifen, wenn der Mensch (inkl. Schrecksekunde) nicht mehr eingreifen könnte, um diese Verzögerung zu erreichen. Außerdem ist für Bosch ganz klar: In letzter Instanz muss immer der Fahrer stehen. Wenn nämlich die Systeme (z.B. durch „Bevormundung) stören, werden sie irgendwann abgeschaltet und können ihren Zweck dann natürlich nicht mehr erfüllen.

So funktioniert der Manöverassistent.

Eine technische Besonderheit liegt auch in der Erfassung der Umfelddaten: Bisher wurden für all diese Systeme Ultraschall- oder Radar-Sensoren, in einzelnen Fällen auch Mono-Kameras verwendet. Bosch hat jedoch ein Stereo-Kamera-System entwickelt, das durch die zwei Kameras quasi das räumliche Sehen des menschlichen Auges nachempfinden und somit ebenfalls zur Entfernungsberechnung verwendet werden kann. Auch wenn es in vielen Autos vermutlich zusätzlich eingesetzt werden wird, hat man etwa in Kleinwagen die Möglichkeit, mit den Stereo-Kameras ein recht kostengünstiges System einzubauen, um Fahrerassistenzsysteme anzubieten.

Es war ein sehr spannender und vor allem interessanter Tag in Abstatt. Denn all die Systeme, die Bosch uns da aus seiner Entwicklungsabteilung gezeigt hat, werden früher oder später in ihrer Verknüpfung dazu führen, dass der nächste Schritt der Automobilgeschichte eingeleitet wird: autonome fahrende Autos.

Ob man es glaubt oder nicht: Dieser Passat parkt gerade ohne Fahrer und ohne Fernsteuerung ein.

Neben mir war auch Fabian Meßner von Autophorie beim Workshop dabei. Die Fotos in diesem Artikel stammen übrigens von Bosch, uns war das Fotografieren nicht gestattet, da sich „unerwartet attraktive Fotomotive“ hätten finden können. Und in der Tat, selten habe ich so viele Erlkönige und Versuchsträger gesehen – wie Fabian schon schreibt, hat Bosch uns hier Einblicke in eine noch ziemlich geheime Forschung gewährt. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal für die Einladung!

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Die heißen Eisen von Bosch – Fahrassistenzsysteme > Bosch > Autophorie.de

  2. Ihr Eintrag ist gut geschrieben und sehr aufschlussreich. Vielen Dank dafür und herzliche Grüßen!

    Elton