Der neue Volkswagen Golf 7: immer noch solide

Knappe vier Jahre ist es her, dass VW den letzten neuen Golf vorgestellt hat. Der Golf VI als Nachfolger des Golf V erntete schon damals ein wenig Häme. Er sei ja eigentlich nur ein Facelift, unterscheide sich nur kaum von seinem Vorgänger. Das ganze dann auch noch als einen kompletten Versionssprung zu verkaufen – na, man wusste nicht so recht, was die Wolfsburger sich dabei gedacht haben.

© Lisa / the-car-addict.com

Meine Fahrstunden zum Führerschein hatte ich in einem Golf V, fuhr danach öfters einen Golf II bis sich meine Eltern schließlich den Golf VI kauften. Somit hatte ich mehr oder weniger den direkten Vergleich zwischen Fünfer und Sechser. Und ja, auch ich war anfangs skeptisch, ob der Nummernsprung gerechtfertigt war. Aber im Nachhinein vermag ich schon zu sagen, dass die Unterschiede so zahlreich und vielfältig waren, dass es ein reines Facelift wohl „gesprengt“ hätte.

Zeitsprung. Oktober 2012. Volkswagen ist mächtig stolz, denn gerade hat man ein neues Auto präsentiert. Der Golf 7 wurde soeben der Weltöffentlichkeit präsentiert und steht nun in den Startlöchern von den Händlern verkauft und auf die Straßen freigelassen zu werden. Erstmals trägt er offiziell eine Ziffer hinter seinem Namen – ob man sich da wohl bei Apple hat inspirieren lassen?

Wieder hat sich bei der Außengestaltung nicht sonderlich viel getan. Es scheint, als hätten die Designer Samthandschuhe angezogen, bevor sie in der Entstehungsphase dem Lehmmodell zu Leibe rückten. Die Front ein wenig an das aktuelle Markengesicht angeglichen, die Heckleuchten ein wenig eckiger (und trauriger schauend?) und insgesamt ein paar Zentimeter (5,6 Zentimeter, um es genau zu sagen) draufgepackt. Das soll ein neues Auto sein?

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Zugegeben, man muss schon etwas genauer hinsehen und vielleicht auch mal „unter die Haube“ gucken. Aber dann findet man sie wieder, die kleinen und die großen Unterschiede. Angefangen bei der neuen Plattform, die eigentlich keine Plattform mehr ist, sondern aus dem neuen modularen Querbaukasten des VW-Konzerns besteht und u.a. für geringere Produktionskosten sorgt. Obwohl man, wie gesagt, in den Ausmaßen ein bisschen zugelegt hat, ist das Gewicht, je nach Modell sogar um bis zu 100 Kilogramm gesunken. Das führt im Zusammenspiel mit den neuen Motoren auch zu geringerem Kraftstoffverbrauch. VW spricht von 3,8 Liter Diesel bzw. 4,8 Liter Benzin, die auf 100 km den Tank verlassen sollen – die Blogger, die vergangene Woche den neuen VW Golf 7 bereits testen durften, berichten jedoch eher von 5,1 bzw. 6,3 Liter. Immer noch solide, wie ich finde. Und mit sehr besonnener Fahrweise ist bestimmt noch Luft nach unten. 😉

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Auch im Innenraum hat sich etwas getan. Der Golf 7 ist nun z.B. mit mehr Assistenzsystemen erhältlich: Pre-Crash-System, City-Notbremsfunktion, dynamisches Frontlicht, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, Müdigkeitserkennung, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtautomatik sind in der Aufpreisliste zu finden. Diese Sonderausstattungen, die man sonst eher aus den oberen Klassen gewohnt ist, gibt es jetzt auch in der Golf-Klasse. Doch da liegt auch schon der Hund begraben: Einige dieser Systeme sind erst in den teureren Ausstattungslinien erhältlich. Obwohl der Golf 7 in der Grundversion den Preis des Golf 6 beibehält, kann man die 16.975 Euro auch gut und gerne mal nahezu verdoppeln.

Ich hab mir mal den Spaß gemacht und „meinen“ Golf konfiguriert – der „kleine“ 1,6l TDI-Motor mit 105 PS, Comfortline-Ausstattungspaket, einige der Assistenzsysteme und eventuell auch noch die ein oder andere kleinere Spielerei – macht 30.310 Euro. Da sind wir jetzt schon in Bereichen, in denen auch der 1er BMW oder die A-Klasse von Mercedes rangiert. Da fragt sich Thomas Gigold, warum man als Käufer überhaupt einen Golf, also einen „läppischen“ Volkswagen, kaufen sollte, wenn man doch für das gleiche Geld schon ein Fahrzeug aus der Premiumklasse mit wesentlich mehr Prestige fahren kann. Für mich als BMW-Fanboy ist diese Frage sicherlich einfach zu beantworten: für’s gleiche Geld würde ich bestimmt eher zum BMW greifen. Aber diese 30.000 Euro muss man auch erstmal haben. Den Golf gibt es eben auch schon ab 17.000 Euro, der günstigste BMW 114i startet erst bei 21.900 Euro. Das wäre schon mal ein Punkt. Und dann soll es auch noch die Leute geben, die partout keinen BMW oder Mercedes fahren möchten. 😉

© Lisa / the-car-addict.com

Zusammengefasst: Der neue VW Golf 7 ist bestimmt keine Revolution, aber das möchte Volkswagen auch gar nicht. Ein Golf soll immer noch als Golf erkennbar sein und daher nur Evolution sein. Auf den ersten Blick scheint VW das ganz gut gelungen zu sein. Man hat wieder einmal ein solides Auto auf die Räder gestellt, das bald wieder zuhauf auf den deutschen Straßen zu sehen sein wird. Wie das eben so ist, mit dem VW Golf.

Vielen Dank an Lisa „The Car Addict“, deren Bilder ich hier verwenden darf!

Und natürlich haben auch die anderen Autoblogger schon so einiges zum neuen VW Golf 7 geschrieben: