Kommt die City-Maut in Deutschland?

Gestern haben sich die deutschen Verkehrsminister zur Verkehrsministerkonferenz in Cottbus getroffen. Thema war unter anderem die Einführung der sogenannten City-Maut. Wie so ziemlich alle Minister haben natürlich auch die Verkehrsminister einen sehr engen finanziellen Spielraum um ihre Straßen, Schienen und Wasserstraßen in Schuss zu halten. Daher wird natürlich nach neuen Wegen gesucht, Geld in die klammen Kassen zu bringen. Ich möchte in diesem Artikel ein paar Fragen klären, die sich vielleicht dem ein oder anderen von euch auch stellen.

Was ist eigentlich eine City-Maut?

Bei einer City-Maut wird die Benutzung von innerstädtischen Straßen kostenpflichtig. In den meisten der bisherigen Städten mit einer Innenstadtmaut wird dazu ein bestimmter Bereich der Stadt zur Mautzone erklärt. Wenn man in diesen Bereich einfahren möchte, muss man an einer Mautstation (in welcher Form auch immer diese aufgebaut ist) die Maut entrichten. Das ist teilweise pro Tag geregelt, teilweise muss man aber auch bei jeder Einfahrt erneut bezahlen.

Wie teuer ist die Mautgebühr?

Bekanntestes Beispiel in Europa für die Durchsetzung einer Innenstadtmaut ist wahrscheinlich London. Dort ist ein ca. 22 Quadratkilometer großer Bezirk zur City-Maut-Zone erklärt worden. Pro Tag muss man dort zwischen 7 und 18 Uhr eine Gebühr von 10 Pfund (ca. 12,40 €) bezahlen. Allerdings sind dort auch knapp ein Drittel der Autos, die in die Innenstadt fahren, gar nicht mautpflichtig. Dazu gehören neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Rettungsdienst, Polizei und Linienbussen auch Elektroautos sowie Fahrzeuge mit Gas- und Brennstoffzellenantrieb. In anderen Städten, etwa Stockholm oder Prag, müssen zwischen 7 und 5 Euro pro Tag für die Einfahrt in die Mautzone gezahlt werden.

Mautstrecke in London, Bildquelle: Wikipedia / Nevilley

Was bringt die City-Maut überhaupt?

Zum einen verringert sich voraussichtlich der (Individual-) Verkehr in den Innenstädten, womit einerseits die Umweltbelastungen zurückgehen. Andererseits – und das ist natürlich noch viel direkter ersichtlich – sinkt auch das Risiko für Verkehrsunfälle. Um beim Beispiel London zu bleiben: Dort ging der Verkehr um 15 Prozent zurück, die Unfallzahlen sollen sogar um 20 Prozent gesunken sein.

Was verdient der Staat bei der City-Maut?

Auf der anderen Seite füllen die Mautgebühren natürlich auch die Staatskassen. Die LKW-Maut auf den Autobahnen bringt dem Bund jährlich 4,5 Milliarden Euro ein. Eine City-Maut würde zwar wohl kaum ähnlich viel einbringen, aber je nach Größe der Stadt könnten durchaus mehrere zehn Millionen Euro pro Jahr hängen bleiben. Ein Segen für die ohnehin gebeutelten Kämmerer? So halb, denn in den meisten Städten mit City-Maut wurde gesetzlich geregelt, dass das Geld definitiv in den Ausbau und die Modernisierung von Straßen und des ÖPNV, als Bus und Bahn, fließen muss.

Klingt doch alles toll, oder?

In einer Großstadt wie z.B. Hamburg macht es tagsüber und gerade im Berufsverkehr kaum Spaß mit dem Auto durch die Stadt zu gondeln. Ständig steht man an einer roten Ampel oder hängt sonst wie im Verkehr fest. Wenn da ein paar Autos weniger rumfahren, ist das doch bestimmt nicht schlecht? Wahrscheinlich, aber ich kann mir auch vorstellen, dass sich dieses Problem dann für mich etwa gar nicht mehr stellen würde. Vermeide ich es heute schon so gut es geht, mit dem Auto in Richtung Binnenalster zu fahren, würde ich es mir dann ganz schenken. Vielleicht 5 Euro Maut plus Parkgebühren plus Sprit – da kommt einiges zusammen, vom eigentlichen Einkauf mal ganz abgesehen.

Und so wird es auch vielen anderen gehen: Den „Gutverdienern“ wird es vielleicht weniger ausmachen, die Mautgebühr für die City-Maut zu bezahlen. Aber den finanziell weniger gut Gestellten, die vielleicht täglich von außerhalb mit dem Auto von außerhalb zur Arbeit in die Stadt fahren müssen, kann das schon richtig weh tun und sie müssen dann wohl oder übel auf den ÖPNV ausweichen. Wenn man sich bloß auch immer auf diesen verlassen könnte…

Was haltet ihr von der geplanten City-Maut? Sinnvolle Maßnahme um die Straßen instand zu halten oder wieder nur eine neue Maßnahme, um den Autofahrern das Geld aus der Tasche zu ziehen?